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Der Antlassritt - ein Brauch aus der Zeit des 30-jährigen Krieges

 

Der Fronleichnamstag wird im Brixental als besonders hoher Feiertag begangen.
Am Vormittag findet wie in allen katholischen Regionen die Fronleichnamsprozession mit dem kirchlichen Gottesdienst statt. Gegen Mittag versammeln sich dann die Bauern des Tales (aus Westendorf, Brixen und Kirchberg) mit geschmückten Pferden vor der Ortskirche in Brixen, wo sie mit den örtlichen Pfarrern und Musikkapellen zusammentreffen. Gegen 13:00 Uhr setzte sich der gesamte Zug unter Glockengeläut und Marschmusik in Richtung Kirchberg in Bewegung.

Ziel ist die „Schweden-Kapelle“ am Kirchberger Ortsrand zu Kitzbühel, wo man an die erfolgreiche Vertreibung wilder Schwedenhorden, welche am Ende des 30-jährigen Kriege das Tal bedrohten, gedenkt und eine Messe feiert. Anschließend kehren die Bauern mit ihren Pferden in die Dörfer zurück, wo es in Gasthöfen noch Musik bis in die Abendstunden gibt.´Der alljährlich zu Fronleichnam stattfindende Antlassritt ist eine Prozession der Priester und Bauern von Brixen im Thale, Westendorf und Kirchberg auf Pferden, die reich geschmückt sind, zur sogenannten Schwedenkapelle beim Klausenbach am östlichen Ende der Gemeinde Kirchberg. Diese Prozession hoch zu Ross, die ausschließlich von den Einwohnern der drei genannten Orte mit größtem Fleiß vorbereitet und durchgeführt wird, muss nach altem Brauch bei jedem, auch bei schlechtestem Wetter abgehalten werden.
Nur bei Überschwemmungen darf sie entfallen.

Erst einmal soll der Umzug einer derartigen Umweltkatastrophe zum Opfer gefallen sein. Bereits am Vortag des Fronleichnamstages - es ist dies der Donnerstag zehn Tage nach Pfingsten - machen sich die Dorfbewohner emsig daran die Häuser zu beflaggen und die Straße mit grünen „Maien“ zu schmücken. Die Hausfassaden und Kapellen, an denen ein Prozessionsaltar steht, werden besonders feierlich geschmückt.

Am Fronleichnamstag, der im Brixental als einer der höchsten Festtage gefeiert und bereits am frühen Morgen mit lautem Böllerschießen begrüßt wird, findet am Vormittag die im ganzen Land in ähnlicher Form gestaltete Fronleichnamsprozession mit den vier Evangelien statt.  Anschließend werden die letzten Vorbereitungen für die Prozession zu Pferd getroffen, deren Ablauf nach einer historisch überlieferten Ordnung erfolgt. Zwischen 12 und 13 Uhr treffen sich die Reiterzüge aus Westendorf und Kirchberg in Brixen im Thale, wo sie sich mit den dortigen Reitern nach einer althergebrachten Einteilung am Pfarrhof aufstellen.

Um 13 Uhr beginnt dann der eigentliche Antlassritt.

Der Dekan von Brixen holt das Sanctissimum aus der Kirche und besteigt damit das Pferd.  Dann reitet alles um den alten Kastanienbaum im Anger vor dem mächtigen Widum, und unter dem Geläute aller Glocken setzt sich der Zug, welcher von den Musikkapellen begleitet wird und jetzt aus rund 80 Reiten besteht (vor Jahren waren es bis zu 200 Reiter), in Richtung Kirchberg in Bewegung.

Um etwa 14:30 Uhr ist endlich das Ziel, die Klausen- und Schwedenkapelle erreicht. Zunächst wird hier der riesige Maibaum umritten, dann werden die vier Evangelien gesungen und der Wetter- und Flursegen nach allen vier Himmelsrichtungen erteilt.Nach einer kurzen Rast für Ross und Reiter und abermaligem Umritt des Maibaumes kehrt der Zug wieder in der gleichen Ordnung und unter lautem Beten und zeitweiligem Klingeln der Ministrantenglöcklein in die Heimatdörfer zurück.Den Pferden gönnt man nun die längst verdiente Ruhepause, die müden Reiter stärken sich im Gasthaus von den Strapazen des über 3 Stunden dauernden, ungewohnten Rittes.

Bezüglich des geschichtlichen Hintergrundes des Antlaßrittes gibt es verschiedene Überlieferungen. Am Klausenbach, der, wie schon der Name sagt, eine natürliche Talsperre bildet, sollen im Dreißigjährigen Krieg die sogenannten „Enterlender Bauern“, das sind die Kirchberger, Brixner und Westendorfer, den eingebrochenen Schweden entgegengeritten sein und sie im mörderischen Kampf besiegt haben.

Nach einer anderen Version habe der Brixner Dekan die anstürmenden Feinde durch das Entgegenhalten der Monstranz zu wilder Flucht veranlasst.Diese lebendige und phantastische Schilderung, soll allerdings mit der Wirklichkeit nicht ganz übereinstimmen, denn es ist historisch nachgewiesen, dass die Schweden das rechte Innufer nie überschritten haben. Die Annahme des Heimatforschers Anton Dörrer, es handle sich bei dem Ritt um ein Gelöbnis zur Bannung der Schwedengefahr, gewinnt dadurch an Glaubwürdigkeit.

Dörrer vermutet im Antlaßritt außerdem eine uralte germanische Darstellung vom Sieg des Sommers über den Winter und gibt als Begründung dafür das Umreiten des Maibaumes als Vertreter des Wachstums und als Fruchtbarkeitssymbol an. Nach dem Verblassen der Erinnerung an die ursprüngliche Bedeutung habe sich dann der Ritt in den Kriegsnöten des 17. Jahrhunderts mit einer gelobten Prozession zur Schwedenkapelle verschmolzen.

                                   

Information: Tourismusverband Brixen im Thale